Die Hauensteiner Hexenschuhe

Knapp 35 Zentimeter sind sie lang, die neuen „Hexenschuhe“ der Alemannischen Fasnacht im Hauensteiner Schuhmuseum, die jetzt gerade über die närrischen Tage zum besonderen Hingucker im Museum mutieren. Natürlich sind die Strohschuhe handgemacht, „nach alter Tradition fertigt jeder in der Narrenzunft seine Schuhe selbst“, sagt Benjamin Stecher aus Weil der Stadt, der das Hauensteiner Museum gerade rechtzeitig zur Narrenhochzeit mit diesen tollen Schuhen bereichert hat. Jedes Paar sei ein Unikat, ist der alemannische Fasnachter stolz über seine Schuhe, die in den alemannischen Hochburgen auch als Hexenschuhe bekannt sind.

 

Die Schuhe werden jedes Jahr bei der alemannischen Fasnacht „egal bei jedem Wetter“ getragen. Und in der Tat: Beim näheren Hinsehen erscheinen die Strohschuhe auch schnee- und eistauglich. „Früher waren die Zunft-Hexen auch mit den blanken Strohsohlen unterwegs, da weichte bisweilen das Naturmaterial schon mal schnell durch und man tanzte auf blanken Socken“, heißt es in einer Beschreibung der uralten Narren-Schuhe, die schon seit Jahrhunderten zur alemannischen Fasnacht dazugehören wie die selbstgeschnitzte Maske (Larve).

"Wenn man den „Hauenseiner Hexenschuh“ in die Hand nimmt, dann wirkt der ganz und gar nicht mehr zerbrechlich“, sagt Museumsmitarbeiter Frederic Keller (24), der am „Schmutzigen Donnerstag“ das Unikat in die Vitrine stellte. Rund um den Schaft ist eine wasserdichte Gummisohle genäht, die bis zur halben Schafthöhe reicht. Und kalte Füße bekommen die alemannischen Hexen auch nicht mehr, denn der strapazierfähige grüne wollene Obersaum schließt eine zwei Zentimeter hohes warmes Fußbett ab., so dass der Strohschuh leicht mehrere harte alemanische Umzüge übersteht. Soweit zum Neuerwerb „närrischer Schuhe“ zum Höhepunkt der Fasnacht 2016.

Ein Blick in die kulturhistorische Zeit vor allem im Schwarzwald zeigt auf, dass Strohschuhe schon viel länger das Haus- und Hofschuhwerk der Schwarzwälder Bauern waren, bevor die alte Technik auch die alemannische Fasnacht erobert hatte. Noch heute gibt es vereinzelt Schwarzwälder Bauern, die in den Wintermonaten Strohschuhe nach den uralten Flechtkünsten beherrschen. Der echte Schwarzwälder Strohschuh besteht aus geflochtenem Roggen- oder Maisstroh. Und bevor Stroh überhaupt geflochten werden kann, muss es vorher viele Stunden ins Wasser. Das weiche Stroh wird dann geflochten, erstaunlicherweise braucht man für ein Paar Strohschuhe zwei Meter geflochtenes Stroh. Um die Form zu gestalten verwendeten die alten Schwarzwälder schon Holzleisten. Wie beim normalen Schuh legt der Schwarzwälder Bauer eine warme kuschelige Woll- oder Fellschicht auf Sohle und Innenschaft. Das geflochtene Stroh wird dann auf die Stoffschicht mit starkem Garn „genäht“, der sogenannte „Einband“. Je nach kräftiger Farbe des Stoffbandes erhält der Schuh seine typisches Aussehen, wobei bei alten Schuhen auch Muster aus der Bauernwelt eingestickt wurden. Krönender Abschluss dieses malerischen Schuhwerks ist dann der Rundum- Gummi oder selten auch Lederbezug über die Sohle und den Schaft. Den Narren und ihren magisch-alemannischen Tänzen zuliebe haben die Narrenschuhe später bisweilen auch sogar eine richtige Gummilaufsohle mit Absatz erhalten. Der Hauensteiner Narrenschuh kommt natürlich noch ohne den Absatz-Luxus aus und ist ein nach alter alemannischer Handwerkstradition hergestelltes Unikat. Aber nicht nur die alemannische Handwerkskunst kennt den Strohschuh. Auch zahlreiche heimische Pfälzer Bauern hatten bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts die Kunst des Strohflechtens beherrscht. Vielleicht findet sich sogar aus unserer Region ein historischer Strohschuh aus dem Kunsthandwerk vergangener Bauerntraditionen. (ys).

Info: Das Museum ist im Februar täglich von 13 bis 16 Uhr geöffnet (samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr. Ausgerechnet am Fasnachtsdienstag kann man die Neuerwerbung jedoch nicht sehen, denn dann ist das Museum wegen der allgemeinen „Hääschdner Stroosefasnacht“ ausnahmsweise geschlossen.


Neuerwerbung zu den närrischen Tagen im Hauensteiner Museum: Der original handgeflochtene Narrenschuh der alemannischen Fasnacht

 

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