Die Rheinpfalz: Schuh-Schachtel als ökonomisches Signal

DIE RHEINPFALZ berichtet heute über das Deutsche Schuhmuseum: Schuh-Schachtel als ökonomisches Signal

Das Deutsches Schuhmuseum ist in einem ehemaligen Fabrikgebäude untergebracht – Bei Modernisierung muss Bauhaus-Architektur sichtbar bleiben von Christiane Magin

 

Das Deutsche Schuhmuseum in Hauenstein gibt als Kulturdenkmal gleich dreifach Zeugnis: künstlerisch, handwerklich und historisch. Als ehemalige Schuhfabrik ist das Gebäude ein bemerkenswertes Beispiel für einen Produktionsort der Pfälzer Schuhindustrie, seine Bauhaus-Architektur spiegelt eine künstlerische Epoche von Rang, ja eine Geisteshaltung wider – und als Museum ist es zeitgeschichtlich relevant. Im Schuhmuseum wird die Geschichte der Schuhindustrie nicht nur erzählt, sie wird in den sozio-kulturellen Kontext eingebettet. „Wohlverpackt in einer wunderschönen weißen Schachtel“, so stand 1996 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen. „Wer sie öffnet, entdecket darin nicht ihren Abgesang, sondern in ihren Nischen vor allem das Prinzip Hoffnung.“Dass das schlichte Gebäude ein schützenswertes Kulturdenkmal ist, fiel der Behörde erst auf, als die Planung für den Umbau schon lief. Das war im Juli 1991 und verunsicherte alle Beteiligten. „Wir hatten Angst, dass sich das Bauvorhaben wesentlich verteuert und verzögert“, erinnert sich Museumsleiter Willy Schächter, der das Projekt von Beginn an begleitet; damals als Bürgermeister der Gemeinde Hauenstein. Eins war klar: Widerspruch war zwecklos. „Die Fabrikanlage weist durch ihre Architektursprache eindeutig auf den Bauhausstil der 1920er Jahre hin und legt Zeugnis ab vom geistigen und künstlerischen Schaffen dieser abgeschlossenen Bauepoche“, so die Begründung der Denkmalbehörde. In der Beschreibung des Gebäudes heißt es weiter, dass es sich um einen langgestreckten, dreigeschossigen Putzbau handele mit „jeweils einem Kopfbau an den Schmalseiten und einem gemeinsamen Geschoss unter einem flach geneigten Walmdach“. Mit dem Amt für Denkmalschutz musste aber nicht nur die sach- und stilgerechte Sanierung besprochen werden, sondern auch die Nutzungsänderung. „Die Eisentreppe am Gebäude war unbedingte Voraussetzung dafür, weil das Gebäude als Museum einen zweiten Fluchtweg braucht“, erzählt Schächter. Den Umbau übernahmen die Architekten Schoppe, Lauerbach und Sprau aus Hauenstein, deren Arbeit alle überzeugte. Dass alles so gut geworden ist, ist auch der klaren Struktur des Bauhaus-Kubus zuzuschreiben. „Das ehemalige Fabrikgebäude geht eine perfekte Symbiose mit der neuen Zweckbestimmung ein, obwohl das Anforderungsprofil sehr komplex war“, beschreibt der Museumsleiter und gerät ins Schwärmen: „Ein Glücksfall, dass das Museum heute hier drin ist.“ Und dass es viele fördernde Befürworteter hat: Es flossen Gelder aus dem Etat der Strukturhilfe des Landes für die „nichtmilitärische Konversionsmaßnahme“ und auch der Bezirksverband und der Kreis Südwestpfalz leisteten finanzielle Unterstützung. Dazu kamen Finanzspritzen von diversen Sponsoren und der Daniel-Theysohn-Stiftung in Ludwigswinkel. Die Geschichte des Gebäudes ist aber noch lange nicht zu Ende. Nach und nach folgen „Modernisierungs-Etappen“, und die sind wegen des Denkmalschutzes nicht leicht zu bewerkstelligen. Die erste fand im April 2008 statt, als der gläserne Aufzug an die Frontseite des Gebäudes gebaut wurde. Dadurch ist das Museum „barrierefrei“ geworden. Schächter erinnert sich noch genau: „Die runden Fenster an der Frontseite oben mussten unbedingt sichtbar bleiben – auch wenn sie durch den Aufzug ein wenig verdeckt sind.“ Das Credo der Denkmalbehörde war: Der Aufzug muss sich sowohl in seiner architektonischen Form als auch in seiner Funktion in die klar gegliederte Fassade einfügen. Barrierefreiheit war ebenso wichtig für die Umnutzung. Gespannt sind Museumsleiter und Gemeinde gleichermaßen, wie die Kreisverwaltung über die nächste geplante Modernisierung entscheiden wird. „Wir wollen das Haus mit einer energetischen Großmaßnahme für die Zukunft rüsten“, kündigt Schächter an. Dazu gehört die Dämmung des Dachs und der Fenster, für die er von der Energieagentur Rheinland-Pfalz ein Angebot erhalten hat. Demnächst wird das Konzept der Denkmal-Kommission vorgestellt. Schächter will auf jeden Fall die Fenster der alten Fabrik Hengen in Hauenstein aufbewahren, die demnächst abgerissen wird. Wer weiß, vielleicht passen sie ja in die Fassade seines Hauses. „Ohne es wollen zu dürfen, ist die ehemalige Schuhfabrik nicht nur zum Museum geworden, sondern zum ökonomischen Signal“, sagt Schächter zufrieden. Zur Keimzelle für die Schuhmeile am Ortsrand. So lebe der Schuh fort in der Region. Im Museum und im Handel. Gewissermaßen in den Nischen der schönen weißen Schachtel, in der die FAZ einst das Prinzip Hoffnung schon verborgen sah.


Kids on Tour Kinderrallye


Dana I. zur "Deutschen Schuhkönigin" gekrönt


Geschenkidee: Hochwertiger Geschenkgutschein


Unsere Facebook-Seite
Öffnungszeiten


Preise, Preisnachlässe und Kontaktinformationen finden Sie unter Info.  

Mediathek

In unserem "Digitalen Museum" finden Sie interessante Filme, eindrucksvolle Bildergalerien sowie einen virtuellen Rundgang durch das Museum!


Wetter
Anfahrt
Externe Links