Große Matinee zum Jubiläum des Museums und der Hauensteiner Schuhgeschichte

„Erfolgsmodell“ und „Glücksfall“ – das waren die wohl am meisten verwendeten Vokabeln bei der Matinee, mit der am Sonntag das 20-jährige Bestehen des Deutschen Schuhmuseums gefeiert und an die Gründung der Hauensteiner Schuhindustrie vor 130 Jahren erinnert wurde. Mehr als 200 Gäste wohnten der Festversammlung bei, bei der der Himmel zeitweise Freudentränen weinte.

 

Als Festredner hatte man den früheren ZDF-Intendanten Markus Schächter gewinnen können, der in Hauenstein aufgewachsen ist und den großen Boom und den Niedergang der Schuhproduktion in Deutschlands größtem Schuhdorf hautnah miterlebt hat: „Schuhproduktion und Museum geben dem Ort Identität und Weltoffenheit“, stellte Schächter fest. Und dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch seine Ausführungen.

Er beleuchtete das Produkt Schuh und seine Hauensteiner Geschichte, die mit den Brüdern Anton und Karl-August Seibel 1886 begonnen hatte, aus vielen Perspektiven: Der Schuh sei „ein Kosmos voller Wirklichkeit und Phantasie“, die Museumsidee entstanden aus der Frage: „Wie lassen sich aus dieser überreichen Welt Funken für einen Lichtstreif in die Zukunft schlagen?“

Die Verantwortlichen hätten sich „Kämpfen, Sackgassen, Finanzierungsproblemen und politischen Rankünen“ erfolgreich gestellt. Das Ergebnis: „Heute steht das Museum heller und strahlender, bekannter und glorioser, origineller und kurioser, großstädtischer und heimatverbundener dar, als man es sich hätte in der Planungsphase ausmalen können.“

Der Medienmanager erwies sich als profunder Kenner der Hauensteiner Schuhgeschichte und wob in seine Ausführungen zahlreiche Anekdoten ein: Er erzählte von der Weitsicht von „Mine“ Schwarzmüller, deren Familie das grandiose Bauhaus-Fabrikgebäude bauen ließ, das heute das Schuhmuseum beherbergt, oder von der Steppmeisterin Anna, die bei den Steppfrauen nicht nur für „kreative Lösungen und retourenfreies Arbeiten“ gesorgt habe, sondern auch für „gute Stimmung durch das kollektive Absingen aller denkbaren und je gesungenen Volks- und Kirchenlieder“.

Schächter blieb nicht bei einem verklärenden Blick auf die Heimat stehen: „Nicht alles, was dehääm ist, war und ist gut“, sagte er und nannte unter anderem die „unerhört niedrigen Tariflöhne“, die „schwierigen Bedingungen am Arbeitsplatz mit Lärm und Gestank“ und die „strukturelle Gewalt vieler konservativer Bedenkenträger“ als Teil der Hauensteiner Schuhgeschichte, die auch von „Blut, Schweiß und Tränen“ geprägt war. 

Auch eigenes Erleben wurde eingeflochten: Dass man als Kinder das „Vebannerles-Spiel“ bei Fabrikschluss beenden musste, weil die bis zu zwanzig Busse, die die Pendler nach Hause bringen sollten, „das Dorfgeschehen in städtische Hektik verwandelten“, oder dass man oft das Fußballspiel „in de Sei“ unterbrechen musste, weil aus dem Auslieferungslager der Eltern „e paar Kanne Bapp auf dem Handwagen ins Owwerdorf zu bringen waren.“ Wie er selbst habe jeder im Dorf seine „Geschichten, in seinem Kopf und in seinem Herzen. Und das Museum erzählt sie uns alle wieder… So wird es zum Narrativ.“ Es erzähle die „Geschichte unserer Heimat, die uns Wurzeln und Flügel gibt.“

Zuvor hatte Museumsleiter Willi Schächter die vielen Gäste der Matinee, die von der Gruppe „Folks of Glen Queich“ musikalisch begleitet wurde, begrüßt. Das Jubiläum solle wohl an die Geschichte erinnern, solle aber auch den Blick auf die Zukunft richten, der man sich mit „Optimismus und Zuversicht“ stellen wolle. Er dankte allen, die den „manchmal beschwerlichen Lauf so positiv begleitet haben“: Landrat Duppré und der Bezirkstagsvorsitzenden Theo Wieder, der Sportbund Pfalz, Orts- und Verbandsgemeinde. Besonderen Dank zollte er den Mitarbeitern, die „mich manchmal auch ertragen müssen“ und die am Wochenende Großartiges geleistet haben. Toll die Dekoration, hervorzuheben die Freundlichkeit trotz hoher Belastung: Chapeau!:  Er sei „stolz auf alle, die das Museums auf Erfolgskurs halten, weil sie mit dem Herzen dabei sind“, sagte der Museumschef, dem die Redner höchsten Respekt für seine Lebensleistung zollten.

Landrat Hans Jörg Duppré beispielsweise erinnerte an „Skepsis, Widerstand und Streit“, die die Gründung des Museums begleitet hätten. Die Hauensteiner hätten den Streit und Widerstände erfolgreich ausgestanden und ein „wunderbares Museum“ als „Glücksfall“ für die gesamte Region geschaffen. Er erinnerte an die Ausstellung „z.B. Schuhe“, den eigentlichen Grundstein dessen, was das Museum heute ist. In Hauenstein habe man die „einmalige Chance, die andere auch hatten, mutig genutzt".

Ortsbürgermeister Bernhard Rödig nannte die Gründerväter der Schuhindustrie und ihre Nachfahren „Unternehmer in des Wortes wahrer Bedeutung: Sie unternehmen etwas, um die Zukunft zu gestalten.“ Er sei deren Urenkel Carl-August Seibel sehr dankbar dafür, dass das 130 Jahre alte Unternehmen nach wie vor „deutlich in die Gemeinde hineinwirkt“. Das Museum, das „viel Leben ausstrahlt“, sei oft in Frage gestellt worden, habe sich aber zu einem „weit strahlenden Leuchtturm der Region“ entwickelt, das auch Arbeitsplätze in der Gemeinde sichere. Maßgeblich an der Erfolgsgeschichte hätten auch die Mitarbeiter –die Museumsführer und die Damen an der Rezeption- mitgeschrieben, die „an der Nahtstelle zum Kunden ganz im Stillen großes Engagement“ an den Tag legten.   

Theo Wieder, der Vorsitzende des Bezirkstags des Bezirksverbandes Pfalz, der über die Stiftung Deutsches Schuhmuseum neben dem Hauptstifter, der Ortsgemeinde Hauenstein, und ebenso wie der Landkreis Südwestpfalz zu den Trägern des Museums zählt, zollte den Verantwortlichen „großen Dank und Anerkennung dafür, dieses Museum aufgebaut zu haben und es am Leben zu erhalten: Das war Knochenarbeit, die mit Herzblut erledigt wurde und wird.“ Er sei sicher, dass man auch mit neuen Ideen die Zukunftsfähigkeit sichern werde und stellte fest: „Ein Jubiläum soll immer auch gefeiert werden, um die Vision der Gründung zu erneuern.“

Grußworte sprachen auch Elke Rottmüller, die stellvertretende Präsidentin des Sportbundes Pfalz, dessen „Pfälzisches Sportmuseum“ in der Turnstraße eine Heimat gefunden hat und mit dem Schuhmuseum in befruchtender Symbiose lebt: „Es hat zur Attraktivität des Schuhmuseums beigetragen“, das, wie es Verbandsbürgermeister Werner Kölsch formulierte, ein „Highlight in unserem touristischen Gesamtangebot“ darstellt.


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