Lorenz Wingerter - Apotheker, Lyriker, Hüter der pfälzischen Mundart

Lorenz Wingerter hatte mit Schuhen eigentlich wenig zu tun; vielmehr sah der erste Apotheker von Hauenstein seine Lebensaufgabe darin, die immer größer werdende Bevölkerung  in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit den Künsten des Apothekers im Krankheitsfall zu betreuen und zu schützen. In den Jahrhunderten, als Hauenstein ein bitterarmes Waldbauerndorf war, halfen sich die Vorfahren mit den Heilkräutern der Natur und den von Generation zu Generation überlieferten „guten Hausmitteln“.

 

Man bedenke, dass Hauenstein im Jahre der Industrialisierung 1886 noch nicht mal 600 Einwohner hatte, drei Jahrzehnte später waren es schon mehr als dreimal so viel. Und mit dem Aufschwung der Bevölkerung kam auch Stück für Stück eine bessere Infrastruktur ins „moderne“ Dorf: ein Arzt, Krankenschwestern und der Apotheker. Und dieser Apotheker ist auch 125 Jahre nach seiner Geburt auch heute noch immer in den Gedanken der älteren Bürgerinnen und Bürger lebendig und gegenwärtig: Lorenz Wingerter, der gute Apotheker und der Dichter von hohen Gnaden, der übrigens – am Rande sei’s erwähnt - auch so manches Verslein über die schicken Hauensteiner Schuhe hinterlassen hat.

Das Jahr 2015 verabschiedet sich in diesen Tagen, in Hauenstein und darüber hinaus in der literarischen Pfalz sollte aber an der Schwelle zum neuen Jahr an einen großen Mitbürger erinnert werden, dessen Geburtstag sich 2015 zum 125. Mal gejährt hat. Lorenz Wingerter, der gütige, liebenswürdige, erste Apotheker der aufstrebenden Schuhgemeinde, hatte vor nunmehr 90 Jahren die Sonnenapotheke gegründet, die damals bis zum Bau des heute noch sehr repräsentativen Neubaus der Kreissparkasse im Jahre 1952 am „Unteren Marktplatz“ im Haus Wiedemann in der Dahner Straße untergebracht war. Im Jahre 1936 hatte Wingerter die erste Apotheke in Hauenstein eröffnet. Heute heißt der „Untere Rathausplatz“ offiziell zu Ehren des  Apotheker – Dichters längst Lorenz-Wingerter-Platz. Doch nur die Älteren, kennen noch den gütigen, immer fröhlichen und menschenfreundlichen Mitbürger, der wie kein anderer im Dorf beliebt war. Auch heute noch erzählen sich, die in die Jahre gekommenen „Halbstarken“ der fünfziger Jahre am Stammtisch die Geschichten „vum Abodeeger“, der nicht nur den Alten ein außerordentlich guter Helfer war, sondern auch die Jugend in sein Herz geschlossen hatte. „Auch wenn alle über unsere harmlosen Streiche schimpften, beim Apotheker fanden wir in seinem kleinen Privatbüro immer Zuspruch und immer auch ein Schnäpschen, selbstgemacht natürlich.“, erzählen die heute über 70jährigen „Rock‘n-Roller“ gerne von diesem wunderbaren Menschen, der höchstes Ansehen bei jung und alt genoss.

Ein Vierteljahrhundert, von 1936 – 1959, war der gebürtige Speyerer der Apotheker der alten Schule, der in seiner alten Apotheke „beim Wiedemann“ als äußerst kundiger Heilpflanzenkenner die wichtige Medizin sehr oft selbst zusammenstellte, vor allem in den Kriegs- und Nachkriegsjahren.

Lorenz Wingerter war Apotheker und Poet von hohen Graden. In einer Würdigung des bekannten pfälzischen Literaten Hans Loschky aus dem Jahre 1955, lesen wir über den langjährigen Leiter der literarischen „Palatina“: „Es gelang ihm, die ganze literarische Pfalz in der ‚Palatina‘ zu konzentrieren und alle guten Kräfte, die sich bei uns regten, zur Mitarbeit heranzuziehen: Gelehrte, Geschichts – und Wirtschaftskenner, Erzähler und Lyriker…“ Die zwölf Jahrgänge der Palatina – Zeitschrift, die Lorenz Wingerter mit Umsicht und literarischem Gespür für das Wesentliche leitete, seien für die Heimatforschung und für das schöngeistige Schrifttum unentbehrlich, hieß es schon vor 65 Jahren.

Neben der Veröffentlichung seiner lyrischen Gedichte in bedeutenden Anthologien, hat sich Lorenz Wingerter zeitlebens auch der pfälzischen Mundart verschrieben. Viele ältere RHEINPFALZ – Leser erinnern sich noch gerne an den „Pfälzer Feierowend“, in dem Lorenz Wingerter immer wieder als eine Art Custos der heimatlichen Mundart zu Wort kam, viele seiner liebenswürdigen und subtilen Gedichte und Sentenzen künden von dieser Heimat am Rhein und im Wasgau. Noch heute ist in der Reihe der Heimatbücher deutscher Landschaften, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg editiert wurden der 27. Band „Rheinpfalz“, das von Lorenz Wingerter und Roland Betsch herausgebracht wurde, ein literarisches Standardwerk pfälzischer Dichtung und Prosa.

Als Apotheker war Lorenz Wingerter getragen von höchstem Pflichtbewusstsein und Verantwortung. So wird von ihm erzählt, dass seine Gewissenhaftigkeit so weit ging, dass er sich, als er die Apotheke noch allein führte, große Abwesenheiten von seiner Apotheke versagte: Es könnte ja sein, dass gerade in dieser Zeit ein Hauensteiner Hilfesuchender kommen könnte, der eine lebenswichtige Medizin bräuchte. Das war auch eine Seite „vum Abodeeger“, der aber immer Zeit fand, vor seiner Apotheke im blütenweißen Apothekerkittel mit Jung und Alt zu erzählen und seine sprichwörtliche Liebenswürdigkeit zu teilen. Als er nach seiner Pensionierung zu seiner einzigen Tochter nach Landau zog, verlor der Schuhort eine seiner großen Persönlichkeiten. Aber bis zu seinem Tod im Jahre 1969 blieb er Hauenstein in seinem Herzen verbunden. Zu seinem 100. Geburtstag, im Jahre 1990 hatte ihm die Gemeinde einen besonderen literarischen Festakt zuteilwerden lassen, auch als eine Geste der dankbaren Erinnerung an einen großen Mitbürger, Literaten, Menschenfreund und ersten Apotheker der Gemeinde.  


Es gibt nur wenige Fotos „vum Abbodeeger“ Lorenz Wingerter, der in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden wäre. Hier sehen wir ihn in seiner neuen Apotheke um 1954 am heutigen Lorenz-Wingerter Platz (rechts)

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