Sepp Herbergers "Jaköbscher" als Leihgabe im Museum Wessels in Vreden

„Das Hauensteiner Museum ist ein Juwel in der Schuhwelt“, sagt Georg Wessels im westfälischen 12 000-Seelen Städtchen Vreden. Er ist ein kerniger Schuhmacher von hohen Graden mit Leib und Seele. Über viele Generationen führt er hier an der holländischen Grenze die hohe Kunst des heiligen Crispinus im großen Familienbetrieb weiter und zählt zu den bedeutenden zeitgenössischen Schuhmachern. Wessels ist weltweit der Übergrößenspezialist überhaupt und stellt seit Jahren für die größten Menschen der Welt ehrenamtlich und kostenlos die Schuhe her. Georg Wessels, der 63 jährige Orthopädieschuhmachermeister und Museumsinhaber, ist aber auch ein enger und verlässlicher Freund des Deutschen Schuhmuseums Hauenstein, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das außerordentliche Fachwissen und die liebenswerte und freundschaftlich Art des Westfalen zu Holland schätzen.

 

Jetzt hatte Georg Wessels den Leiter des Hauensteiner Museum Willy Schächter aus Anlass der Indienststellung des supermodernen Neubaus mit 800 Quadratmetern Verkaufs- und Museumsfläche nach Vreden eingeladen. Georg Wessels, der Schuhmann aus Leidenschaft und Freund aller großwüchsigen Menschen weltweit zeigt stolz den auch architektonisch gelungenen funktionalen Neubau: „Als Europas Übergrößenspezialist sind wir ein Schuhhaus, das Schuhe nur in Übergrößen führt, Herrenschuhe bekommen unsere Kunden ab Größe 47, Damenschuhe ab Größe 42,5“ und mit sichtlichem Stolz und in Verbundenheit mit dem Hauensteiner Museum zeigt Georg Wessels dem Gast aus der Pfalz im Laden und im ebenso großen modernst ausgebauten Lager auch hunderte von Schuhen in Übergrößen aus Hauenstein und Pirmasens: Josef Seibel, Semler, Kennel und Schmenger usw.

Allein die fantastische Welt von Riesenschuhen und die museale Präsentation der Schuhe für die größten Menschen der Welt, mit ausgezeichneten Fotos dieser Menschen in natürlicher Größe – eines dieser Exponate ist auch im Hauensteiner Museum zu sehen – beeindruckt und signalisiert die optimistische Zuversicht, mit der Wessels für die nächste Generation in Millionenhöhe investiert hat: Das neue Haus wird bereits von seiner Tochter José geführt, während Georg Wessels nach wie vor der Kopf des Familienunternehmens bleibt, aber gleichzeitig einer weiteren Schuhleidenschaft frönt, die den Riesenschuhen des Markenführers diametral gegenübersteht: Im 300 Meter entfernt liegenden Stammhaus ist Georg Wessels Miniaturschuhmuseum, und wie es sich für den zweifachen Guiness-Buch-Eintrag geziemt, befindet sich dort das größte Miniaturschuhmuseum der Welt in 250 Vitrinen und Schaukästen, dessen offizielle Neueröffnung unmittelbar bevorsteht. Georg Wessels voller Stolz: “Nach historischen Vorlagen können unsere Besucher die Entwicklung der Fußbekleidung von den Anfängen bis zur Gegenwart nachvollziehen“. Ergänzt wird das Museum mit den kleinsten Schuhen der Welt einerseits durch Originale historischer Dokumente, anderseits durch Miniaturen zum Thema Schuhwerk, „auch wissenschaftlich geeignet für die Aufarbeitung der Kulturgeschichte des Schuhs“, meint Georg Wessels. Er hat im Gegensatz zu den traditionellen Übergrößen seines Hauses die Miniaturen des vor wenigen Jahren verstorbenen Besitzers dieser Sammlung, Richard Fenchel aus Butzbach, erworben, der über Jahrzehnte in Handarbeit diese weltgrößte Sammlung aufgebaut hatte.

Das Deutsche Schuhmuseum und die musealen Einrichtungen der Familie Wessels sind seit Jahren eng verbunden. „Hier stimmt auch die persönliche Zusammenarbeit allerbestens und für mich ist es selbstverständlich, dass wir dem Hauensteiner Museum immer wieder wertvolle Exponate zur Verfügung stellen“, freute sich Wessels über den Besuch aus Deutschlands klassischer Schuhregion. Und als der Hauensteiner Museumsleiter sein Gastgeschenk auspackte, war Georg Wessels vor Freude gerührt, als er für die Eröffnung des Miniaturmuseums in Vreden  leihweise eines der wertvollsten Hauensteiner Exponate bekam: die „Jaköbscher“ von Seppl Herberger mit den Originalunterschriften seiner Weltmeister von 1954. Und die Geschichte der wertvollen Miniaturschuhe ist wiederum eine echte „Kurpfälzer G’schicht“, die es sich lohnt, kurz erzählt zu werden.

Seppl Herberger hatte nämlich kurz vor der Weltmeisterschaft 1954 ein arges Problem mit seinen Augen und ließ sich vom damals weit bekannten Professor Thiel in Ludwigshafen operieren. Bei dem legendären Weltmeistertriumph in Bern hatte der „Chef“ natürlich wieder den „klaren Durchblick“ und bedankte sich bei „seinem Professor“ mit diesen kleinen, in Handarbeit kunstvoll gefertigten Schühlein, die mit den Unterschriften der Helden von Bern natürlich einen sehr hohen Wert hatten. Der Augenprofessor versteigerte die Schuhe nach Jahren für einen guten Zweck, und so gelangten sie in den Besitz des Oggersheimers Herbert Krahn. Und Herbert Krahn dachte auch bald an das Hauensteiner Schuhmuseum, und so gelangten sie über den in Hauenstein im Ruhestand lebenden Pfarrer Hermann Kuntz in den Besitz des Museums. Aber die Geschichte hat noch eine weitere Pointe: Der aus Schaidt stammende emeritierte Pfarrer – er ist auch pfalzweit als Karnevalist bekannt- war in seiner Kaplanszeit in Oggersheim und erinnerte sich seinerseits an den frommen Professor Thiel, der ihm in den Werktagsmessen auch als Messdiener zur Seite sprang, wenn mal kein Ministrant zur Verfügung stand. Also auch in dieser Hinsicht, eine Kurpfälzer Geschichte, wie sie manchmal nur der Zufall des Lebens schreibt, die bei dem WM-Triumph beim Seppl Herberger seinen Anfang nahm und über mehrere Stationen vom Hauensteiner Museum jetzt für eine bestimmte Zeit an das größte Minaturschuhmuseum der Welt nach Vreden an der holländischen Grenze ausgeliehen wurden, wo sich – und auch das ist ein Zufall- der umtriebige „Boss“ Helmut Rahn, dessen Unterschrift ebenfalls die Sohlen der Minischuhe ziert, zeitweise auch einen privaten Anker gefunden hatte.

Zur Sache:

Miniaturschuhe heißen bei uns in der Region schon immer „Jaköbscher“. Nach RHEINPFALZ-Recherchen soll es dabei zwei Versionen um diesen besonderen Namen geben. Die eine besagt, dass am Anfang  ein bekannter Kinderschuhmacher mit dem Namen Jakob stand, die andere, dass es ein Synonym ist für alle  Miniatur- und Erstlingsschuhe, weil früher sehr viele Buben Jakob hießen und sich so das Wort „Jaköbscher“ als Bezeichnung für ganz kleine Schuhe gebildet hat. Vielleicht gibt es aber in unserem Raum auch  Schuhkenner, die dies noch präzisieren könnten. Das Deutsche Schuhmuseum wäre für jeden Hinweis unserer Leser dankbar. (info@museum-hauenstein.de oder 06392 923334 0)


Foto: Die berühmten nur 10 Zentimeter langen „Sepp-Herberger-Jaköbscher“ mit den Unterschriften der Weltmeisterhelden von 1954 übergab Museumsleiter Schächter (rechts) dieser Tage an Georg Wessels (links) als Leihgabe. Wessels unterhält das größte Museum für die kleinsten und die größten Schuhe der Welt in Vreden an der holländischen Grenze.

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