Trierischer Volksfreund berichtet

Trieririscher Vollksfreund berichtet:

Von Schuhen, Fabriken und Menschen

Wie aus Rohmaterial ein fertiges Fußkleid wird: Tagestour ins Deutsche Schuhmuseum im pfälzischen Hauenstein



Man muss keinen Schuhtick haben, um diesem Museum im pfälzischen Hauenstein
einen Besuch abzustatten. Im Gebäude einer ehemaligen Schuhfabrik gibt es nicht nur jede Menge faszinierende Schuhe zu entdecken, sondern auch alles über ihre handwerkliche und industrielle Herstellung über die Jahrhunderte hinweg zu erfahren.
Damit eng verknüpft ist die Sozialgeschichte der Menschen in der Region, die über lange Zeit fast nur von der Schuhherstellung gelebt haben (siehe geschichtlicher Hintergrund).
Das Museum, das 1996 eröffnet wurde, ist nur ein Jahr später mit einem europäischen Museumspreis ausgezeichnet worden und zieht jährlich rund 30 000 Besucher an.

Schuhe mit der Größe 247

Vom größten Schuhpaar der Welt mit der Schuhgröße 247 über
verschiedene Schuhsammlungen bis zu Hunderten von ratternden Maschinen – das Museum mit dem gläsernen Aufzug hat auf vier Ebenen und rund 3000 Quadratmetern
einiges zu bieten. Wer beim Rundgang gut unterhalten werden möchte, sollte eine der Führungen mitmachen, die das Museumsteam in mehreren Sprachen anbietet.
Die sind nicht nur informativ, sondern auch kurzweilig und amüsant. Heute ist ein Fußballverein aus dem Schwarzwald angereist, um sich von Karl Stöbener die Besonderheiten des Museums zeigen zu lassen. Bevor es als erste Station in die alte Schuhmacherei geht, erklärt Stöbener noch schnell: „Hier wird aber nicht gespuckt“ und meint damit den Umstand, dass die Schuhmacher früher bei ihrer Arbeit immer Nägel im Mund hatten und deshalb auf den Boden spuckten. „Wir sind doch keine Holländer!“, entgegnet einer aus der Fußballerrunde. Gelächter – und schon kann’s losgehen.


Handarbeit und Maschinen

Hinter dem Schustertisch hantiert Stöbener mit Leisten und Zwickzange. Er zeigt, wie der
Schuhmacher früher Schuhe gemacht und sich dabei mit ganz einfachen Mitteln wie der Schuhmacherkugel geholfen hat, einer mit Wasser gefüllten Glaskugel, die das spärliche Kerzenlicht gebündelt auf die Arbeitsfläche wirft. Von der einfachen Schuhmanufaktur
geht es weiter in die Welt der industriellen Schuhfertigung. Zu sehen gibt es hier: Eine riesige Lederwalze, die zur Herstellung von Leder genutzt wurde. Eine Sohlenpresse, mit der man die Laufsohle an den Schuhschaft angepresst hat. Und eine Oberleder- messmaschine, mit der Lederstücke, Felle oder Häute ausgemessen wurden. „Das internationale Maß für Oberleder ist übrigens Quadratfuß“, erklärt Stöbener. Richtig
laut wird es, als Stöbener eine noch komplett funktionierende technische Anlage zur Schuhproduktion anwirft. Das Museum beherbergt auch noch ein Fließband, das um 1950 mit dem Beginn der Arbeitsteilung eingeführt wurde.

Sportgeschichte und Prominente

Schuhe aus zwei Jahrtausenden und allen Erdteilen stehen im obersten Geschoss des Museums. Die Ernst-Tillmann-Sammlung gilt mit 3500 Schuhen als die größte private Schuhsammlung Europas. Der Sammler hat nicht nur historische Stücke zusammengetragen, sondern einzelne auch sorgfältig restauriert. Außerdem warten auf den Besucher noch mehr als 200 Jahre pfälzische Sportgeschichte und eine Prominenten-Schuh-Sammlung mit Schuhen von Persönlichkeiten wie Altkanzler Helmut Kohl, Moderatorin Michelle Hunziker und Tennisstar Boris Becker.
Eileen Blädel

Geschichte der Schuhproduktion in Hauenstein Hauenstein entwickelte sich in weniger als einem halben Jahrhundert vom armen Bauerndorf zum Zentrum der Schuhindustrie. Zuvor war Holz der einzig verwertbare Rohstoff in der Region. Im 20 Kilometer entfernten Pirmasens entstand 1857 die erste Schuhmanufaktur, in der Schuhe in maschineller Produktion hergestellt wurden. Zehn Jahre später arbeiteten dort 3500 Menschen in 54 Fabriken. Motiviert durch diesen Erfolg fassten 1885 die Brüder Carl August Seibel und Anton Seibel den Entschluss, in ihrem Heimatort Hauenstein eine Schuhfabrik zu errichten. 30 Jahre später gab es dort 15 Schuhfabriken, in denen mehr als 1100 Menschen Arbeit fanden. 1913 war die Schuhindustrie mit 14,3 Prozent der Beschäftigten
hinter dem Maschinenbau (20 Prozent) und vor der Chemie (12,6 Prozent) der zweitwichtigste Industriezweig in der Pfalz.

eib

 

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Dana I. zur "Deutschen Schuhkönigin" gekrönt


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