Blind auf den 4228m hohen Castor

In diesem Jahr erreichte der im Jahre 1966 geborene Wilhelm Lickteig die 50er Markierung auf dem Weg zu seinem persönlichen Lebensgipfel. Vor fast genau vier Jahren im Jahre 2012 ging es aber auf einen ganz anderen Gipfel, dem 4 228 Meter hohen Castor im Matterhorn Gebiet. In der Tat eine bemerkenswerte sportliche Leistung. Für Wilhelm Lickteig erfährt dieser und viele andere Gipfel aber eine besondere Dimension. Wilhelm Lickteig ist blind. Vor knapp einem Jahr war es nur der 1 731 Meter hohe Herzogstand, aber angefangen hat alles im Jahr 2000. „Für die Berge konnte ich mich als blinder Mensch lange nicht begeistern, dies änderte sich jedoch schlagartig während eine Aufenthaltes im Oberbayern im Jahr der Jahrtausendwende. Dort packte mich das Bergfieber, welches bis heute anhält“, erzählt Wilhelm Lickteig ohne Pathos und in einer erstaunlichen Bescheidenheit.

 

Anlass dieses Gesprächs war die Überreichung seiner Bergschuhe im Deutschen Schuhmuseum. Nein, Wilhelm Lickteig ist kein prominenter Star wie die Größen aus Gesellschaft, Politik und Sport, die ihre Schuhe dem Museum zur Verfügung stellen. Im Gegenteil: Der Mann aus Donsieders arbeitet bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz und ist ehrenamtlicher Funktionär im engeren Vorstand des Blindenverbandes Rheinland-Pfalz. Die Meisterung seines persönlichen Schicksals und sein ermutigendes Beispiel, dass blinde Menschen (fast) alles können , wenn sie nur wollen , macht ihn zu einem Vorbild. Aus diesem Grunde sind seine echten Profi- Bergschuhe, die seit einigen Tagen im Museum in Hauenstein ausgestellt sind, zusammen mit der Geschichte des Selfade-Mannes ein kleines Juwel in der großen Ausstellung.

Am meisten interessiert die wichtigste Frage: „Wie kann ein völlig erblindeter Mensch auf schmalen und gefährlichen Graten und Wegen hochalpine Leistungen erbringen? Für Wilhelm Lickteig ist das alles nicht so schwierig: „Wie bei sonstigen Wanderungen empfiehlt sich auch in den Bergen, dass der Blinde und sein Begleiter durch ein kurzes Seil, welches beide in der Hand halten, verbunden sind. Wird der Weg schmal, halte ich mich zur Orientierung am Rucksack meines Begleiters“. So einfach ist das. Der sympathische Bergsteiger fügt noch dazu, dass zur Erkundung schwieriger Geländepassagen, „insbesondere beim Abstieg ein Teleskopstock sinnvoll ist“, und dann kommt natürlich noch ein besonderes Lob an seine wichtigsten Begleiter Johann Lex, Gunter Lang, Christoph Petrig und Norbert Julen (Zermatt),. Mit den letztgenannten gelang ihm sein Meisterstück auf den Castor.

Dann tauchen weitere Namen bekannter Alpengipfel auf: 2013 (Alpspitze 2628 Meter), 2011: „die etwas andere Tour“ Alphubel (4 206), 2009 Allalinhorn (4027 Meter), 2006 Klein-Matterhorn („mein erster Versuch eines 4 000ers“) und ganz am Anfang eines besonderen Karriere am 22, Juli 2000 der Pürschling (1 565 Meter).

Und so erzählt Wilhelm Lickteig über eine Stunde lang über die einzelnen Erfolge, aber auch die Risiken und Schwierigkeiten, bei denen die Grenzen der Verantwortung höchste Priorität genießen. Dass Wilhelm Lickteig so nebenbei im Gespräch mitteilt, dass ihm als blinden Menschen fast alles möglich geworden ist, was auch „ein Normaler“ schafft, von Lesen, Schreiben bis hin zu den diffizilen Fertigkeiten der digitalen Funktionen, hört sich aus seinem bescheidenen Mund so ganz normal an. Aber es ist eine großartige Leistung eines Menschen, der seine Behinderung nicht schicksalhaft auf sich nahm, sondern in jahrzehntelangen Lernprozessen fast wie ein Sehender durch die Welt gehen kann, selbst auf die Gipfel der Viertausender.Das macht Wilhelm Wilhelm zu einem Vorbild, „zu einem Prominenten der anderen Art“. Und aus diesem Grunde stehen seine Profi-Kletterschuhe jetzt auch mitten unter den „Prominenten“.


Dieser Tage neu eingerichtet: Die Bergsteigerschuh-Vitrine des blinden Bergsteigers Wilhelm Lickteig aus Donsieders


Wilhelm Lickteig mit seinen Bergutensilien im Hauensteiner Museum

Kids on Tour Kinderrallye


Dana I. zur "Deutschen Schuhkönigin" gekrönt


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