Feierliche Matinee zur Eröffnung der Ausstellung "Im Lauf der Zeit"

Ein Zwiegespräch als Lehrbeispiel für lebendige Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

 

Rund 100 Matinée-Gäste füllten das Foyer des Hauensteiner Schuhmuseums. Es galt nicht nur mit einem frühlinggestimmten Publikum die neue Ausstellung „Im Lauf der Zeit - ARBEIT ALLTAG LEBENSBILDER“ zu eröffnen, sondern auch gleichzeitig die neue Museumssaison 2017 in einem gebührenden Rahmen einzuläuten. Um es vorweg zu sagen: Es war rundum ein Erfolg, die musikalische Seite wurde meisterlich vom Hauensteiner Klarinettenquartett „Quattrophonia“ mit Christian Leidner, Leonhard Lambert, Katja Leidner und Melody Jäger in einem gefälligen Gesamtambiente umgesetzt, eigentlicher Höhepunkt war jedoch eine andere Premiere: Anstatt die Ausstellung mit rund 60 historischen Fotografien von Michael Utz (Heidelberg) in einem Eröffnungsvortrag zu präsentieren, wählte man erstmals in Hauenstein die Form des Gesprächs, genauer des Zwiegesprächs zweier kompetenter Protagonisten. Da war auf der einen Seite der Kurator selbst, Michael Utz, der die Exponate aus einem Fundus von rund 2000 Bilddokumenten exemplarisch ausgesucht hatte und die alten Bildklischees in meisterlicher Arbeit mit den Mitteln des professionellen Fotokünstlers „aufbereitete“ und optimierte – DIE RHEINPFALZ informierte am Samstag - und da war auf der anderen Seite der Hochschul- Historiker a.D. Dr. Karl-Heinz Rothenberger, der an der Universität Landau insbesondere neuere Geschichte mit pfälzischem Schwerpunkt lehrte und auch heute noch ein gefragter Experte für pfälzische Landeskunde ist.

„Das Gespräch der beiden war so kurzweilig, aber auch so interessant, dass ich noch eine Stunde hätte zuhören können“, sagte eine begeisterte Besucherin über diese neue Form des Vernissage-Talks. Dr. Rothenberger brachte es gleich zu Beginn des Zwiegesprächs auf den Punkt: „Ich habe mich in zahlreichen historischen Fotos selbst wiedererkannt, obwohl meine Heimat ganz woanders liegt“. Damit benannte er treffend die Grund- Intention des Gesprächspartners und Kurators Michael Utz. Die historischen Fotos seien so ausgewählt, dass sie den Menschen und seine dörfliche Welt in der erlebten Zeit genau dort fokussiere, wo auch zeittypische Arbeits- und Lebensgewohnheiten erkennbar würden.

Für Rothenberger sei es anhand der Objekte beispielsweise faszinierend zu beobachten, wie die Hauensteiner schon ganz kurz nach dem Krieg, als das Allerschwerste gerade überwunden war, bereits eine beispielhafte Aufbruchsstimmung vorlebten. Gemeint hat er dabei das positive Bildsignal von 1948, als die Betriebsangehörigen der Firma Jubo erstmals das sich abzeichnende kleine Wirtschaftswunder mit einem „Betriebsausflug in eine neue Zukunft“ einläuteten. Hochinteressant auch die Interpretation der Bilddokumente mit Prälat Sommer, dem bei den Nazis verhassten „Schwarzen Schorsch“. Karl-Heinz Rothenberger mit Blick auf einen Aufmarsch der SA in Hauenstein im Jahre 1933: „Ich habe im Landauer Anzeiger aus dem Jahre 1933 einen Hinweis gefunden, dass die SA-Gruppe aus Albersweiler in Hauenstein aufmarschierte, um mit Druck „nachzuhelfen“, aber unverrichteter Dinge wieder abziehen musste, weil der Widerstand durch Prälat Sommer und seiner Gemeinde ungebrochen groß war“. Interessant auch die Interpretationen der beiden Gesprächspartner zu anderen besonders prägnanten Fotos. Hauenstein sei - wie viele andere von der Schuhindustrialisierung des ausgehenden 19. Jahrhunderts betroffenen Gemeinden- ein Paradebeispiel für den Wandel einer armen bäuerlichen Gesellschaft, die ihre eigentlichen angestammten Wurzeln in Tradition und Glauben nicht aufgegeben habe. „Nicht mehr Dorf, aber auch noch nicht Stadt“, habe sich hier eine meist harmonische Form von Tradition und Fortschritt mit kleinem Wohlstand herauskristallisiert. Das sehe man bei vielen Bildern und bei vielen Ereignissen im Reigen der zutiefst dörflich gebliebenen Tradition. Interessant auch der Einwurf von Dr. Rothenberger, dass man hier allein schon wegen der miserablen Bonitäten der Ackerböden in der vorindustriellen Zeit ganz deutlich im Schatten der fruchtbaren Rheinebene ein bescheidenes Dasein fristete, aber auf der anderen Seite auch anhand der Fotodokumente nachgewiesen werden könne, dass hier auch bis in die jüngste Vergangenheit Verbesserungschancen genutzt worden seien. Er verwies dabei auf ausgestellte Dokumente, wie diese Chancen am Beispiel Hauenstein auch in den letzten 30 bis 50 Jahren im Rahmen eines aktiven Strukturwandels durch die beherzte Schaffung neuer Wirtschaftsformen und großzügiger Gewerbegebiete nachhaltig und zukunftsorientiert positiv umgesetzt worden seien.

Für die meisten der Hauensteiner Besucher – viele kamen auch aus der ganzen Region - bedeutete das Zwiegespräch eine ganz besondere „Lehrstunde“ , wie zwei reflektierende Protagonisten „von außen“ auf das Innenleben der Hauensteiner in den letzten 150 Jahre schauten. Was aber hier exemplarisch für „Hääschde“ gesagt wurde, gilt in gleicher Weise auch für ähnliche Gemeinwesen in der Südwestpfalz, wie Rodalben, Waldfischbach, Dahn oder Münchweiler oder für Annweiler in der Südpfalz. Und gerade deshalb ist die Hauensteiner Ausstellung im Schuhmuseum auch so interessant für alte und junge Menschen aus der ganzen Region, „ weil sie sich alle wiedererkennen können“


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