Kleine Sensation zur ersten Hauensteiner Schuhfabrik vor 130 Jahren

Die erste Hauensteiner Schuhfabrik war nicht in der Weißenburger Straße eingerichtet worden. Dies ist wohl eine kleine Sensation in der Aufarbeitung der 130 jährigen Geschichte der Hauensteiner Schuhindustrie am Ende des Museumsjahres 2016. Generationen lang glaubte man nämlich, dass die erste von den Gebrüder Carl-August und Anton Seibel gegründete Schuhfabrik in dem hinterliegenden Schuppen oder Stallräumen des Anwesens am Ende der Haupt- zur heutigen Weißenburger Straße eingerichtet worden sei (alte „CA“ Seibel Fabrik). Dort war nämlich das Elternhaus der beiden Gründerbrüder, und es galt bis ins Jubiläumsjahr 2016 als „sicher“, dass dort die ehemaligen Bilderhändler- Brüder am 1. April 1886 die in Pirmasens gekaufte Spindelstanze aufgestellt und den Grundstein zum größten Schuhdorf Deutschlands begründet hätten.

 

Die in Kornwestheim lebende pensionierte Oberregierungsschulrätin Eva Seibel, eine Urenkelin des Gründervaters Carl-August Seibel, beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Thema der Anfänge vor 130 Jahren. Ihre Forschungen führten jetzt eindeutig zum Ergebnis: Die Brüder Carl und August Seibel, die als Bilderhändler an Weihnachten 1885 im beim „Fischerwirt“ in Landau an der Isar beschlossen hatten, es den Pirmasensern nachzutun und eine eigene „Fabrik“ in Hauenstein einzurichten, stellten die eiserne Spindelstanze in einen umgebauten Schuppen hinter dem familieneigenen Anwesen in der mittleren Hauptstraße, genau dort wo heute das alte Postgebäude steht.

An dieser Stelle des alten Postareals hatte bisher niemand die erste Hauensteiner „Schuhfabrik“ vermutet, weil niemand das Wohnhaus mit hinterliegendem Stall und Schuppen kannte, das bereits im Jahre 1913 abgerissen worden war: „Dieses Fachwerkanwesen mit Stall und Scheune hatte mein Urgroßvater Carl-August Seibel bereits im Jahre 1875 anlässlich seiner Hochzeit in der Hauptstraße 24 mit Stall und Scheune erworben“. Zunächst betrieb er dort Ackerbau und hatte zwei Kühe. Der Stall befand sich unten im Haus, wie man auch deutlich auf der jetzt aufgetauchten Fotografie zu sehen ist. Hier im hinterliegenden Stall – und das ist die kleine Sensation- richteten die beiden Brüder Carl-August und Anton am 1. April 1886 die erste handgetriebene Pirmasenser Sohlenstanzmaschine als erste „Fabrik“ ein, berichtet Eva Seibel.

Bisher hatte es für sicher gegolten, das der Ursprung der ersten Schuhfabrik im weiträumigen bäuerlichen Areal des Familienstammhauses am Ende der Hauptstraße zu suchen ist, wo später das bekannte Unternehmen CA und Josef Seibel generationenlang ihren Stammsitz hatte. Dorthin zog aber die erste Hauensteiner Schuhfabrik erst später um, weil bald diese „Fabrik“ hinter dem alten Fachwerkhaus bei der heutigen Post zu klein wurde. Und jetzt erst errichteten die Brüder Carl-August und Anton Seibel im Hof ihres Vaters Karl-Adam („Kanaal“) hinter der Scheune und dem Stall in den Gärten Teilbauten mit einem Maschinenhaus. Daraus entstand das auch heute noch in vierter Generation weltweit tätige Unternehmen mit dem Urenkel- Geschäftsführer Carl-August Seibel.

Die Keimzelle wurde jedoch am eigentlichen Geburtstag der Hauensteiner Schuhindustrie am 1. April im Ortsmittelpunkt im hinteren Areal des heutigen Postgebäudes gelegt. 1890 trennten sich dann die Gründerbrüder Carl-August und Anton Seibel „brüderlich einvernehmlich“, und nach erfolgreichem Geschäftsgang baute Carl-August Seibel den Betrieb mit Wohnungen großzügig um. Bruder Anton Seibel gründete neben der alten Kirche einen eigenen Betrieb ( heute „Antone Sepp“).

Zur Sache: „s’Kanaals“

Wenn man die ganz alten Hauensteiner gefragt hatte, wo denn die erste Schuhfabrik vor 130 Jahren eingerichtet worden war, dann hörte man immer „bei‘s Kanaals“ Von 1886 bis 1890 war dies jedoch nicht „bei’s Kanaals“, deren Hausname heute kaum noch jemand kennt, sondern nach den Recherchen von Eva Seibel (Kornwestheim) bei dem heute noch bestehenden großen Postgebäude (ebenfalls in der Hauptstraße). Der Urenkelin Eva Seibel halfen da langjährige eigenen Familienforschungen, vor allem auch mündliche Überlieferungen der vor einem Jahr hochbetagt verstorbenen Martha Seibel („Frieriche-Martha“), deren Familie ebenfalls eng mit den Gründern verwandt war. Wie kommt es jedoch zum Hausnamen „s’Kanaals“?

Schon die Eltern der beiden Gründerväter Carl-August und Anton, Johann Adam Seibel und seine Ehefrau Anna Maria, geborene Seibel (s’Frieriche“) wurden schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts „s’Kanaals“ genannt. Generationenlang deutete man an diesem alten Hausnamen herum. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das eine typische Vereinfachung im Hääschdner Dialekt, denn die Stammeltern Seibel betrieben neben der Landwirtschaft auch einen Krämerladen, der damals auch Kolonialladen hieß. Die Vorfahren im 19. Jahrhundert gingen also zu diesem Laden, und es ist eine typische Hauensteiner sprachliche Kontraktion, die im Lauf der Zeit das Wort Kolonialladen zu „Kannaals“ werden ließ. Mit diesem Namen waren bis tief ins 20. Jahrhundert auch die Gründerfamilie von Carl-August Seibel bekannt gewesen, wie auch die im Jahre 2015 verstorbene Martha Seibel immer wieder unterstrich.


Hier im Ortsmittelpunkt in der Hauptstraße, wo das Postgebäude steht, wurde in dem Schuppen des fachwerkhauses - ganz links in Teilen zu sehen – von 1886 bis 1890 die erste Hauensteiner Schuhfabrik eingerichtet. Die beiden Personen am Fenster sind die Großeltern von Eva Seibel (Kornwestheim), Carl-August Seibel jr., der bereits im ersten Kriegsjahr 1914 vermisst wurde, und seine Ehefrau Wilhelmine, geb. Graf.

„Bei’s Kanaals“ in der oberen Hauptstraße. Hier bestand schon Mitte des 19. Jahrhunderts ein Kolonialladen der Gründereltern. (weißer Teil). Dahinter entstanden dann im Laufe der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts die stattlichen Fabrik- und Wohngebäude von CA Seibel (später Josef Seibel).

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