ArchitekturFoto: Deutsches Schuhmuseum Hauenstein, ein architektonisches Juwel der Bauhausepoche. Das Gebäude des Schuhmuseums wurde nach den Grundsätzen des Bauhauses errichtet. Weitere Informationen zun Thema Bauhaus finden Sie unter www.bauhaus.de Das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein hat - was seine bauliche Architektur angeht - eine herausragende und im südwestdeutschen Raum auch einmalige Besonderheit. Im großen Metropoldreieck Karlruhe –Mannheim-Saarbrücken ist das Gebäude, das seit 1930 eine Schuhfabrik beherbergte, das einzige gewerbliche Gebäude, das nach den Grundsätzen der Bauhaus-Philosophie errichtet wurde. Die Sachlichkeit und Klarheit des Kubus („eine wunderschöne weiße (Schuh-)Schachtel“) wurde 1929 von dem Gropius-Schüler Josef Uhl aus Pirmasens als das damals modernste und funktionalste Fabrikgebäude (Gebrüder Schwarmüller) in Hauenstein errichtet. Die Fassade des denkmalgeschützten Bauwerks wurde beim Umbau zum Museum (1990 - 1996) von der Architektengemeinschaft Schoppe/Schoppe/Lauerbach (Karlsruhe/Hauenstein) unter Einhaltung denkmalpflegerischer Vorgaben repräsentativ umgebaut. Architekt Gerhard Lauerbach (Hauenstein) blieb dieser klaren Bauhaus-Tradition treu, als im Jahre 2008 der neue Gläserne Aufzug in die Fassade integriert wurde. Schon kurz nach der Museumseröffnung im Jahre 1996 hat es die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf die präzise Kurzformel mit metaphorischer Bildhaftigkeit gebracht: „Dies ist die Geschichte der deutschen Schuhindustrie, wohl
verpackt in einer wunderschönen weißen Schachtel. Wer sie öffnet,
entdeckt in ihr nicht Abgesang, sondern in ihren Nischen vor allem das
Prinzip Hoffnung“. Ein schöneres Kompliment konnten sich die
Hauensteiner Verantwortlichen zur Eröffnung dieses weltgrößten Museums
dieser Art nicht wünschen. Das Urteil der renommierten Zeitung fühlte
sich an wie ein kleiner Ritterschlag und war zugleich auch eine
Hommage an ein architektonisch einmaliges gewerbliches Gebäude in der
Pfalz.
Im Jahre 2006 erschien ein Buch von Karin Leydecker
„Architekt(o)uren in der Pfalz“, das zurückging auf eine Untersuchung
der Tageszeitung DIE RHEINPFALZ über eine baugeschichtliche Stilreise
durch die Pfalz. Über das klassisch-schlichte Gebäude, das die
Geschichte der Schuhindustrie wie einen wertvollen Kulturschatz birgt,
ist zu lesen: „Der klare Kubus ist für seine Entstehungsgeschichte eine
innovative Meisterleistung [der späten 20er Jahre]….“.Bei zahlreichen
Fachanalysen wird erläutert, dass das klar strukturierte dreistöckige
ehemalige Fabrikgebäude das einzige reine gewerbliche „Bauhausgebäude“
in der südwestdeutschen Dreiecks - Region
Karlsruhe-Mannheim-Saarbrücken darstellt.
Es war sicherlich ein guter Ratschlag des damaligen Hauensteiner
Städteplaners Otto Schoppe aus Karlsruhe, dass er im Jahre 1989 sowohl
den Bürgermeister als auch die Ratsmitglieder überzeugte, das zunächst
in der alten Fabrik Hengen projektierte Museum in die Fabrik der
ehemaligen „Gebrüder Schwarzmüller“ in der Turnstraße zu verwirklichen.
Aus heutiger Sicht gesehen ist dieser Entschluss vor fast 20 Jahren auch
ein Schlüssel zu dem außergewöhnlichen Erfolg des zunächst anfangs
wegen seiner vermeintlichen Größe kontrovers diskutierten musealen
Jahrhundertprojekts in der relativ kleinen Gemeinde Hauenstein: Der
innere Erfolg eines Museums ist nämlich in großem Maße auch abhängig
von den äußeren architektonischen Gegebenheiten und Vorgaben. Die klar
gegliederte Grundstruktur des großen, aber keineswegs übermächtigen
Kubus erlaubte es bei der Nutzungsänderung in den Jahren 1991 bis 1996,
auch im musealen Bereich eine gelungene Symbiose des ehemaligen
Fabrikgebäudes mit dem komplexen Anforderungsprofil seiner neuen
Zweckbestimmung einzugehen. Die von der Gemeinde beauftragte
Architekturgemeinschaft Schoppe/Schoppe/Lauerbach/Sprau hat nach
Ansicht der Denkmalbehörde die Aufgabenstellung gut gelöst, wie in den
zurückliegenden Jahren auch bei vielen Architekturmeetings vor Ort
immer wieder bestätigt wurde.
Karin Leydecker bekräftigt dies in ihren „Architekt(o)uren:
„Oberstes Sanierungsprinzip war Behutsamkeit…: hier liegt der
bescheidene, von einem Glasdach beschirmte Haupteingang. Daneben öffnet
ein hohes, abgetreppt nach oben springendes Glaselement die weiße
Fassade“. Die über drei Etagen reichende mäßig geneigte leicht und
dennoch dominant wirkende Glasfront ist architektonisch in der Tat der
schnörkellose Glanzpunkt, welcher die Klarheit der
Bauhaus-Architektur nicht stört, sondern integrativ ergänzt und
erweitert.
Kurz vor der Eröffnung im Jahre 1996 schrieb der renommierte
Deutsche Werkbund in einer kritischen Würdigung: „Bewundernswert der Mut
und die Kühnheit der Initiatoren, ein solches Vorhaben von europäischer
Dimension in einer kleinen Gemeinde auf die Beine zu stellen….., es
entstand ein Werk von großer Schönheit und Klarheit, das eine kongeniale
Museumsgestaltung beherbergt, die großstädtische Vergleiche nicht zu
scheuen braucht“.
Das Gebäude selbst war im Jahre 1990 in den Besitz der Gemeinde
gekommen Ich erinnere mich als damaliger Bürgermeister an die
schwierigen Verhandlungen, bis das stattliche Gebäude, das zu einer
Fabrikruine zu verkommen drohte, für 400 000 (einschließlich rund 4 500
Quadratmeter Gelände) dem Vermögen der Gemeinde zugeführt werden konnte,
Nur wenige Monate später , im Juli 1991, wurde das Gebäude wegen
seiner klaren Architektur der späten 20er Jahre unter Schutz gestellt.
Die Nachricht lähmte zunächst alle Verantwortlichen, weil damit aus
denkmalpflegerischen Gründen eine nicht unwesentliche Verteuerung und
eine zeitliche Verzögerung befürchtet wurde. Einige einvernehmliche
Gespräche beim Denkmalamt in Mainz und bei der Kreisverwaltung als
untere Denkmalschutzbehörde reduzierten diese Befürchtungen jedoch auf
ein erträgliches und praktikables Maß. In der Reflexion des zeitlichen
Abstandes von fast zwei Jahrzehnten erscheint heute die
Unterschutzstellung für die Gemeinde Hauenstein als ein Glücksfall,
nicht zuletzt auch durch die denkmalschützerischen Auflagen zum Erhalt
der Fensterstruktur mit ihren typischen Holzsprossenelementen.
Die Kreisverwaltung hatte als zuständige Denkmalschutzbehörde das
Fabrikgebäude als „schützenswertes Kulturdenkmal“ eingestuft. In der
Begründung heißt es, „dass die Fabrikanlage durch ihre
Architektursprache eindeutig auf die neue Sachlichkeit beziehungsweise
den Bauhausstil der 20er Jahre … hinweist und damit Zeugnis ablegt vom
geistigen und künstlerischen Schaffen dieser abgeschlossenen
Bauepoche“. Es handle sich um einen lang gestreckten dreigeschossigen
Putzbau mit „jeweils einem Kopfbau an den Schmalseiten und einem
gemeinsamen Geschoß unter einem flach geneigten Walmdach“ Aus dem
Begründungsschreiben aus dem Jahre 1991 wird auch die Frage nach dem
Architekten geklärt: „Das im Jahre 1929 nach den Plänen des Pfälzer
Architekten Joseph Uhl errichtete Gebäude, diente…. bis vor wenigen
Jahren der Schuhproduktion. Architekt Uhl war ein bekannter Pirmasenser
Baumeister.
| Öffnungszeiten Das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein ist täglich geöffnet (auch sonn- und feiertags) von 10 bis 17 Uhr
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