Trotz Wehmut und EnttäuschungDas Weltunternehmen Pfaff als Zeitzeuge pfälzischen Erfindergeistes im Deutschen Schuhmuseum Hauensteinas war in der Tat nicht nur ein schwarzer Tag für die rund 400 verbliebenen „Pfaffianer“. Pfaff ist wie nur ganz wenige Zeugen berühmter Pfälzer Marken ein historisches Herzstück der Pfalz, mit dem man sich identifiziert mit dem man mithofft und mitleidet. Pfaff signalisiert auch im Deutschen Schuhmuseum Hauenstein auch noch nach fast 150 Jahren ein regionales Wir- -Gefühl, die einstige Weltmarke aus Kaiserslautern entwickelt eine ähnlich emotionale Identität wie die einstige Pfälzer Schuh- -Dominanz Pirmasens/Hauenstein, oder im Sport „unser 1.FC Kaiserslautern“.Als nach Hoffen und Bangen die traurige Gewissheit der Insolvenz
durch die Medien ging, erfasste viele ein beklemmendes Verlustgefühl,
„wie wenn man ein Stück Pfalz wegnimmt“.
Dies sagte angesichts der schlechten Nachrichten aus Kaiserslautern
ein älterer Besucher aus der Vorderpfalz, der mit einer Seniorengruppe
das Hauensteiner Schuhmuseum besuchte. Angesichts der historischen
Steppmaschinen mit dem eisernen Pfaff – Gütesiegel, die in der
„Stepperei“ des weltweit größten Schuhmuseums (Museumsebene II) im
pfälzischen Schuhdorf eine auffällige Dominanz aufweisen, kommt gerade
in diesen Tagen Wehmut auf.
Der Schweizer Ingenieur Paul Hager (79) aus Basel, der am gleichen
Tag mit einer rund 30 köpfigen Pensionärsgruppe des ehemaligen Geigy -
Konzerns im Museum weilte, hatte ebenfalls von der Insolvenz gehört: „Es
ist jammerschade, dass es Pfaff nicht mehr geben wird“. Die
Museumsleute in Hauenstein wissen ein Lied vom weltweiten
Bekanntheitsgrad von „Faff“ zu singen, wie beispielsweise japanische
Besucher in Entzücken kommen, und jedes Mal wenn deutsch-französische
Partnergruppen aus Rheinland-Pfalz/Burgund das Museum kommen, hört man
immer wieder: „ et voilà une Pfaff, comme chez ma grand-mère („oh, la
la, eine Pfaff wie bei meiner Großmutter“).
Gerhard Winter (68) Diplom-Maschinenbauingenieur, technischer
Leiter und Mitglied des Stiftungsvorstandes des Hauensteiner Museums:
„Es wird weltweit wohl kaum ein Museum geben, das so viele
Pfaffmaschinen besitzt wie wir, es dürften wohl um die 50 Maschinen
des nach Hunderten zählenden Fundus sein. Besonders stolz ist Winter
über die Nachbildung der ersten Nähmaschine von Georg Michael Pfaff, die
der damalige Instrumentenmacher und Firmengründer
konstruierte. Kurz nachdem in Hauenstein die erste Schuhfabrik
Gebrüder Seibel gegründet worden war (1886) – in Pirmasens gab es schon
seit 1838 mit Peter Kaiser die erste deutsche Schuhfabrik –
produzierten in Kaiserslautern im Jahre 1891 schon rund 400 Arbeiter 25
000 Maschinen pro Jahr.
„Über die Nachbildung der nach den Original - Konstruktionsplänen
gebauten ersten Maschine, die die Insignien „GM Pfaff trägt sind wir
besonders stolz, ich konnte sie noch vor der Eröffnung des Museums im
Jahre 1996 an Land ziehen“, meinte Winter, der die historische
Flachsteppmaschine mit breitem Holzfußbrett als besonders wertvoll
bezeichnet. Insgesamt habe es 10 Nachbildungen dieser Weltentwicklung
von 1862 gegeben. Sie sei ein bleibendes Zeitzeugnis der pfälzischen
Gründerjahre und zeige auch die pfalz -bedeutsame sozialgeschichtliche
Wertigkeit des Deutschen Schuhmuseums Hauenstein.
Schuhmaschinenspezialist Gerhard Winter verweist aber auch auf eine
weitere historische „Pfaff“: Dicht neben der historischen Nachbildung
steht eine „moderne“ Flachspeppmaschine von ca. 1960/62, die
beeindruckend die revolutionäre Entwicklung des Kaiserslauterer
Weltunternehmens im Zeitraum von genau 100 Jahren zeigt. Übrigens, im
Historischen Museum in Speyer ist der Weltruf von Pfaff ebenfalls
dokumentiert: 1910 schenkte Georg Pfaff die millionste Pfaffmaschine
in besonders wertvoller Ausstattung dem Speyerer Museum.
Zurück zu den zahlreichen aktuellen Pfaff-Exponaten (eine Vielzahl
gibt es noch in den Museumslagern in Hauenstein): Um die Entwicklung von
der ersten Pfaff’schen Erfindung von 1862 transparent zu machen, „haben
wir nur einen Meter weiter auch eine hochmoderne
computer-programmierbare Säulensteppmaschine mit Futterbeschneide -
Einrichtung (um 1980) installiert“, meinte Ingenieur Winter, „ wobei
wir auch anschaulich nicht nur die Firmengeschichte präsentieren
können, sondern auch die Kreativität der berühmten Maschinenbauer aus
der Barbarossastadt“.
Den Spannungsbogen kreativer Entwicklung von fast 150 Jahren Pfaff transparent veranschaulicht: vorne die Nachbildung der ersten Nähmaschine von 1862, dahinter eine moderne Maschine um 1960 und 1988 die comutersteuerbare Säulensteppmaschine. Daneben Gerhard Winter von der Museumsleitung. | Öffnungszeiten Das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein ist täglich geöffnet (auch sonn- und feiertags) von 10 bis 17 Uhr Für Besuchergruppen wird das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein nach Möglichkeiten auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten geöffnet.
Dezember bis Februar: Montag bis Freitag 13 bis 16 Uhr Samstag und Sonntag 10 bis 16 Uhr |