Experimentelle Archäologie - Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis(von Frank Becker, Saarbrücken)
Seit ca. 15 Jahren haben wir uns dem Themenbereich Mittelalter verschrieben. Zwar begann das Interesse an der gelebten Geschichte mit dem Besuch von Mittelalter Märkten, jedoch entwickelte sich daraus im Laufe einiger Jahre das Bedürfnis, das Alltagsleben unserer Vorfahren möglichst historisch korrekt nachzuempfinden. Dabei war es nicht die Darstellung von Rittern oder Adligen, die uns gereizt hat, sondern das Leben und Wirken des einfachen Menschen und des Handwerkers im ausgehenden 15. Jahrhundert. Im Verein 1476-Städtisches Aufgebot e.V. (www.anno1476.de)
haben wir eine Gruppe von Menschen gefunden, die ebenso wie wir höchste
Ansprüche an detailgetreue Rekonstruktionen von Kleidung, Werkzeugen
und Alltagsgegenständen stellt. Dabei wird nicht das tägliche Leben des
15. Jahrhunderts nach gespielt, sondern es wird versucht, den damaligen
Tagesablauf für uns erlebbar und für unsere Besucher begreifbar zu
machen. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass in den Köpfen der
Menschen immer noch ein, durch fehlende oder falsche Informationen,
verzerrtes Bild vom Mittelalter herrscht.
Der Bereich ‚Experimentelle Archäologie‘ bildet den Brückenschlag
zwischen der Archäologie und den praktischen Erfahrungen bei der
Rekonstruktion und Verwendung von Bekleidung, Werkzeugen oder
Alltagsgegenständen. Seit zahlreichen Jahren besuchen wir Museen, um
Originale zu dokumentieren, sichten Schriftquellen in Archiven und
Bibliotheken und arbeiten dabei mit Museen und Restauratoren zusammen.
So erforschen wir experimentell Aspekte einer interessanten Epoche
unserer Vergangenheit, was letztendlich auch für die Wissenschaft von
Nutzen sein kann.
Mit dem Projekt Zünfte der ehrbaren Handwerker (www.ehrbare-handwerker.de)
haben wir, Alexander Würkner und Frank Becker, den Grundstein gelegt,
um unser Fachwissen und unsere praktischen Erfahrungen in Form von
regionalen Informationsveranstaltungen und Ausstellungen einer breiten
Öffentlichkeit oder Fachpublikum näher zu bringen. Als Autodidakten
haben wir über die Jahre zahlreiche, teils bereits vergessene
Handwerkstechniken angeeignet und deren Funktionstüchtigkeit im
Feldeinsatz verifizieren können. Unser Ziel ist eine detailgetreue
Rekonstruktion mittelalterlicher Lederprodukte, die weitest möglich den
Originalen entsprechen.
Alexander Würkner (35), Informationselektroniker und selbständiger
Webdesigner, begeisterte sich schon als Kind für den Themenbereich
Mittelalter. Nicht Cowboy und Indianer, sondern der Ritter in glänzendem
Harnisch und der Bogenschütze waren seine Helden. Das Bedürfnis, das
Leben der Menschen in früheren Zeiten erlebbar zu machen und die damit
einhergehende Notwendigkeit, die nötigen Sachgegenstände selbst zu
rekonstruieren, haben ihn dazu bewegt, vor ca. 10 Jahren erste Versuche
rund um die Konstruktion von mittelalterlichen Schuhen durchzuführen.
Seitdem hat ihn das Material Leder nicht mehr losgelassen.
Frank Becker (42), Diplom Betriebswirt und Diplom Designer, kam zum
ersten Mal während seines Designstudiums mit der zeitgenössischen Kunst
des Mittelalters in Berührung. Begeistert vom Detailreichtum
zahlreicher Künstler stieg sein Interesse, mehr über diese interessante
Epoche unserer Vergangenheit zu erfahren. Schon sehr bald kam der
Wunsch, diese Zeit selbst zu erleben. Dabei entdeckte er seine
Leidenschaft für das Material Leder und begann mit seinen ersten
Schuhrekonstruktionen. Daneben fertigt er auch mittelalterliche
Lederfutterale und Taschen, um damit die Hochwertigkeit besonderer
mittelalterlicher Gegenstände zu unter-streichen.
| Öffnungszeiten Das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein ist täglich geöffnet (auch sonn- und feiertags) von 10 bis 17 Uhr Für Besuchergruppen wird das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein nach Möglichkeiten auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten geöffnet.
Dezember bis Februar: Montag bis Freitag 13 bis 16 Uhr Samstag und Sonntag 10 bis 16 Uhr |