Ottfried Fischer

 

Jetzt in der Prominentensammlung des Deutschen Schuhmuseums Hauenstein


Authentischer geht`s nicht: Ottmar Fischer überreichte dem Deutschen Schuhmuseum Hauenstein die Original-Schuhe, die er in allen 65 „Bullen von Tölz“- Folgen seit 1995 getragen hat. Der  berühmte bajuwarische Schauspieler und blitzgescheite Kabarettist aus Ornötsöd im Bayerischen Wald, der eigentlich einmal  Jurist werden sollte, empfing Museumsleiter Willi Schächter und den Münchener Manfred Adler in seiner großen Stadt- und Bürowohnung in der Münchener Leopoldstraße und plauderte in seiner ihm eigenen Art  eine ganze Stunde lang über  sein Leben, seine Pläne und nicht zuletzt auch über die ehemals bayrische Pfalz und die große Wein- und Schuhtradition des vormaligen bayerischen Rheinkreises. Das  freundschaftliche Gespräch vor wenigen Tagen, bei dem immer wieder der spontane Schalk des vielseitigen Künstlers hervor blitzte, fand  just einen Tag vor der  überraschenden Erklärung des Künstlers statt, an dem  der „Bulle von Tölz“ ankündigte, dass er an Parkinson leide, eine Nachricht, die nicht nur in Bayern auf große Anteilnahme stieß. Nichts deutete einen Tag zuvor auf eine solche Nachricht hin, die 24 Stunden später nicht nur in Bayern die Nachricht des Tages war.
 
„Otti“ plauderte munter drauf los, wie wenn man sich schon lange kennen würde. Eigentlich war es schwer vorstellbar, dass Ottmar Fischer einen Tag später eine schwere Krankheit öffentlich machen würde. “Der Bulle geht weiter“, flachste er und sprach viele Pläne an, „jetzt muss ich allerdings in neuen Schuhen die kniffligen Fälle der zunächst weiteren fünf Folgen lösen, vielleicht komme ich ja mit neuen Schuhen dem Täter noch schneller auf die Spur“. Klar, dass der Hauensteiner Museumsleiter hierfür auch sofort das Angebot machte, die neuen „Bullen“-Schuhe aus Hauenstein oder Pirmasens zu besorgen. „Die müssen aber schon eine Sonderanfertigung sein“, merkte Ottfried Fischer mit dem aus dem Mudwinkel kommenden süffisanten Lächeln an, „die alten Schuhe dürften um die Größe 48 tendieren“ So genau kann man die ab der kommenden Woche in Hauenstein ausgestellten Schuhe ihrer Größe und Marke nach nicht mehr ausmachen. Es sind – wie sollte es anders sein – einfache ziemlich ausgelatschte halbrunde schwarze Rahmenschuhe mit Gummisohlen, an denen teilweise auch noch der lehmige  Grund eines Tölzer Bauernofes haftet, wo Ottfried Fischer  seine meist deftigen Fälle zu lösen hat. Das Interessante bei diesen wertvollen Prominentenschuhen liegt nicht zuletzt auch darin, wie Ottfried Fischer selbst anmerkte, dass die Regie der Kultserie bei jeder Sendung auch sorgfältig darauf achtete, dass  die „Bullen-Schuhe“ immer die selben sein mussten: „ Schuhe aus  65 Bullen, selbst getragen von 1995-2007“, schrieb Ottmar Fischer in einer kleinen Widmung für den Gast aus der Pfalz auf.
 
Der eher skeptische und kritische Schauspieler und Kabarettist wollte natürlich auch wissen, wie Museumsbesucher auf alte Schuhe von Prominenten reagieren. In Hauenstein sei die weltweit wohl einzige Prominentenabteilung eine ganz besondere Attraktion, erklärte  Museumsleiter Schächter und ließ den herzlich lachenden Ottfried Fischer wissen, dass es gerade auch mit prominenten Persönlichkeiten und ihren Schuhen etwas  Besonderes auf sich habe: „Mögen die Prominenten zwar auf großem Fuße leben, mit ihren Schuhen müssen sie jedoch alle auf dem Boden bleiben“. Das war so richtig nach dem Geschmack des Kabarettisten, der immer mehr in Hochfahrt kam.
 
Fischer hatte die kleine Übergabe originell vorbereitet und übergab die Schuhe, die er in allen  65 Bullen-Folgen getragen hat, vor dem   Regie-Stuhl in seinem Büro, wo „ich derzeit auch einem neuen Kabarettprogramm arbeite“. Überhaupt war das beliebte Künstler-Original an diesem Tag voller Pläne, und nichts deutete für die  beiden Besucher darauf hin, dass er nur einen Tag später mit einer Krankheit an die Öffentlichkeit ging: „Nur so kann ich den Kräfte zehrenden und belastenden Druck vor der Angst meiner möglichen Entdeckung beenden“, war am 2.Febraur im „Münchener Merkur“ zu lesen, der auf einer ganzen Sonderseite den berühmten Sohn Altbayerns würdigte und seinen Schritt, weiterzumachen mutig beispielhaft fand. Und noch etwas am Rande dieses Besuches: Der ehemalige Messsdiener aus der Oberpfalz, der jedoch zeit seines Lebens nicht in das religiöse und traditionelle Klischee eines   Vorzeige-Bayerns passen wollte, griff in seine riesige Bücherwand und zog mit einem zufriedenen Lächeln ein Ratzinger Buch hervor, in dem der bayerische Papst Ottmar Fischer eine sehr persönliche  Widmung eingetragen  hatte, die er sichtlich stolz seinen Besuchern zeigte. So ist er halt der Ottfried Fischer, und sicher wird er auch seine Krankheit nicht in  Resignation über sich ergehen lassen, sondern  vielmehr offensiv und optimistisch angehen: „Ich will auf jeden Fall weitermachen“, hieß es  dann auch in  der einen Tag später veröffentlichten Verlautbarung.
 
Dass es zu diesem Treffen  in München überhaupt kommen konnte, ist übrigens einem Artikel in der Rheinpfalz vom 29. August 2007 zu verdanken, in dem in der Reihe „Leute aus der Nähe“ mit Manfred Adler (65)  ein sympathischer Münchener porträtiert wurde, der über 100 mal schon  in Häschde weilte und  darüber hinaus hunderte von Münchenern auf den Pfälzer Luftkurort aufmerksam machte. Der  pensionierte Sprecher der Deutschen Bahn München, der Ottmar Fischer kennt, ebnete  dann auch die Tür zu diesem  privaten Gespräch, bei  dem der bekannte Schauspieler und vielseitige Künstler selbst an  einem sehr schwierigen Scheideweg seines Lebens angekommen war.
 
Foto: Neben den Schuhen übergab der „Bulle von Tölz“ auch seine besonderen Wünsche für die Promi-Abteilung
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